meine erste bauern-weihnacht,
…mein familien status ist euch ja nun bekannt. als trennungskind hatte ich immer zweimal weihnachten…was ja mal ein genialer vorteil ist…einmal mit meiner mama, ganz stimmungsvoll mit traditioneller Würstlsuppe und mitternachtsmette. oft war meine taufpatin mit dabei und vergrößerte unser beisammensein. „Nana“ so ihr name (ich weiß ehrlich gesagt nicht mal ob das ihr tatsächlicher name ist oder ob dieser für mich als kind vereinfacht wurde) die in salzburg keine familie hatte…nana kommt eigentlichaus chile.
und das andere weihachten bei meinem Papa. es war immer sehr „einfach“ gehalten. Geschenke auspacken, spielen und fertig. jedes weihnacht´s-fest hatte seinen ganz eigenen reiz. zumal waren viele meiner weihnachten als kind mit krankheit unterstrichen – wenn die kleine sandra krank wurde, so immer an weihnachten. so gibt es gefühlt 10 weihnachtsfotos von mir, wo ich mit dem Pyjama vor dem christbaum hocke.
jedes jahr an weihnachten gab es diesen film „Annabell und die fliegenden Rentiere“?! da ging es doch immer um das kalb das nur an weihnachten sprechen konnte…ja das war die perfekte vorstellung von weihnachte – sprechende kälber. Als Kind wollte ich immer sowas wie einen bauernhof haben. immer war mir bloß eine hauskatze oder hund zu wenig. es hätte schon mehr sein dürfen. ich war auch immer liebend gerne bei den tieren und als kind sieht man halt nicht die Arbeit sondern den Vorteil 😊
Mein erstes weihnachten auf dem bauernhof
2009 war mein erstes weihnachten hier auf dem hof. zuerst habe ich am frühen nachmittag mit meiner mama gefeiert und am abend sind wir dann rauf in die berge. mein erster weihnachtsabend ohne jemanden, aus meiner familie. war zuerst ein echt komisches gefühl, so als würde ich jemanden in stich lassen. doch am hof angekommen hatte ich genug willkommene abwechslung. die einen rannten noch gestresst über den hof, von stall zu stall, der andere kramt aus dem letzten eck eine… „um Himmels Willen“…fürchterlich alte, große, schwere und hauptsächlich “verstaubte” pfanne hervor. ich hatte keine zeit mich zu fragen was es mit dem ding auf sich hatte, kam auch schon der „Opa“ auf mich zu. er kümmerte sich täglich um die pferde und das mit einer leidenschaft die man sich nur vorstellen kann wenn man den selben „pferde-vogel“, so nannten wir unsere leidenschaft, hatte. vielleicht war es auch genau diese leidenschaft die uns von beginn unserer kennenlernzeit bis zum schluss immer sehr eng verbunden hat. man weiß oft nicht, warum man mit manchen menschen von der ersten minute, eine verbindung hat, als würde man sich ewig kennen. ich muss zugeben der dialekt im tennengau, hat mir die kommunikation etwas erschwert, auch wenn der flachgau ebenso in salzburg sich befindet, ist der tennengau doch, ich nenne es „spezielle, im Kontext.
das hat dem opa natürlich richtig gut gefallen das ich immer nur die hälfte richtig gut verstanden habe. doch mir wurde immer brav übersetzt 😊
naja egal zurück zur geschichte:
als die stallarbeit dann von allen anderen fertig gemacht wurde, ging es in der küche weiter. auf einem riesigen holzofen in der küche, köchelte eine suppe, daneben die würstl im heißen wasserbad. im ofen war ordentlich feuer, man hörte es wie der luftzug durch das “ofentürd´l” , dem holz richtig anheizte. die alten aber gemütlichen kastenfenster waren angelaufen und am tisch wurde der weihnachtliche mayo-salat verfeinert. da kam auch schon wieder diese unheimlich alte pfanne in´s spiel.
die pfanne stellte man zum ofen, als der bauer fragte:“ haben wir schon genug glut?“ wusste ich nicht so recht was er damit meinte, die bäuerin öffnete das ofenloch und man konnte diese enorme hitze, die in diesen ofen herrschte, bis zum tisch förmlich spüren. der Bauer hielt die pfanne fest in beiden händen, so konnte die bäuerin die heißen holzstücke mit einem ofenbesteck in diese alte pfanne kratzen. danach fasste sie ein kleines tongefäß und streute den inhalt über diese heiße glut. im selben moment sprang der damals kleinste im haus, um die ecke. dick und warm mit einer jacke, handuschuhe und einer kleinen laterne ausgestattet, freute er sich auf das was nun folgte. meine nase roch plötzlich den besten weihrauchduft.
ich hab mich in der zwischen zeit auch mal nützlich gemacht und wie gewünscht dem salat die letzte würze gegeben und den tisch fertig gedeckt. der eine mit der pfanne und der zweite mit der laterne, verließen sie die küche,da kam ein lautes :“ hey das weihwasser fehlt ja noch!“ und so hatte ich ein gefäß in der hand mit einem kleinen nadelbaumzweig darin & weihwasser . man bat mich mitzugehen aber erst sollte ich die jacke und schuhe noch anziehen. als ich dann voll gekleidet mit dem weihwasser in der hand im flur stand, kamen die anderen schon von dem obergeschoss des hauses retour. Irgendwie wusste ich immer noch nicht was es mit diesen weihrauch auf sich hatte. aber irgendwie war auch klar, nicht lange fragen stellen, einfach mitgehen und zusehen.
wir bewegten uns richtung wirtschaftsraum. in einem zug durch die nächste tür und bevor ich überhaupt fragen stellen konnte, stand ich mitten im kuhstall. mein freund ging den stall entlang zurück zu den kälbern. der kleinste flüsterte mir :“ du musst die tiere weihen“. erst jetzt begriff ich was mein gefäß in meiner hand für eine aufgabe hatte. und plötzlich fühlte ich diesen kinderfilm von dem ich euch zu beginn erzählte. die kühe atmeten ruhig und ihre kaubewegung mit dem atem, machte das ganze so magisch. sie ruhten und gleichzeitig, atmeten sie disen himmlischen duft von weihrauch ein. die kälber schauten uns mit großen, kugeligen augen an und waren etwas verdutzt. ich hatte wirklich stehts das sprechende kleine kalb aus dem film im kopf und wurde zugleich demütig und nachdenklich. es löste eine wundervolle stimmung in mir aus.
wir sind noch über den ganzen hof, in jeden stall und in jeden raum. von ziegen bis schafe alle durften diesen wunderbaren duft genießen. auch durch das haus vom opa sind wir gezogen. und als wir fertig waren, hat der opa uns zum bauernhaus begleitet. denn das abendessen wird stehts mit allen menschlichen hofbewohnern gegessen.
wir saßen alle am tisch und es dauerte eine weile bis wir diese besinnliche gefühl,den gesprächen weichen ließen. wir kamen immer mehr in die vorfreude auf die bescherung und in dieser munteren zeit, hatten der opa und ich ( ich muss sagen das ich heute nicht mehr weiß wie wir darauf kamen aber es war so) plötzlich eine wette am laufen. er behauptete frech und ungeniert das ich bestimmt schwerer bin als er. diese wette schaukelte sich so hoch, bis man versuchte eine personenwaage zu finden. doch war auf dem gesamten hof keine zu finden. verstehe ich auch, hier hatte definitiv keiner ein problem mit seiner kg-anzeige.
da stand der bauer mit einer metzgereiwaage im raum, daran war nur ein hacken wo man etwas ranhängen konnte, um das gewicht zu sehen.
die anderen haben getüfftelt wie der opa und ich uns nun wiegen könnten. Ihr werdet es nicht glauben. aber nach kurzer zeit standen wir alle im flur und mein freund ging in den oberen stock und hielt die waage, zwischen den stiegenstaffeln durch. so baumelte diese zu uns in den unteren stock. er forderte mich auf, den haken zu fassen und meine beine von der stiegenstaffel zu entfernen. so hing ich da wie ein nasser sack und versuchte so still wie möglcih zu sein. mein freund sagte:“65 kg“. ich war mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob der opa nicht doch leichter war als ich und ob er, mit seinem rüstigen alter diese aktion mitmacht.
er legte seinen gehstock beiseite und zog seine hausschuhe aus. so stieg dieser mann, die zwei treppen nach oben, fasste den haken und zog seine füß in die höhe, die gefühlt mit drei paar gestrickte socken verziert waren, ich glaube die hatten zusammen schon 1 kg. „72kg“ war die antwort von oben herab.
wir haben plötzlich alle richtig laut gelachen. denn irgendwie war ich nicht die einzige, die daran gezweifelt hatte ob diese aktion überhaupt durchgezogen wird. da war der opa aber ziemlich verdutzt als ich dann leichter war oder aber,heute würde ich sagen, er wusste es und konnte einfach gut einstecken. oder genoss diese art von scherze treiben.denke eine mischung aus beiden ansichten.
so war mein erstes weihnachten hier. und hat mich für mein ganzes bäurinnen sein bis jetzt geprägt.
Eure Sani